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Erwachen zur neuen Bewusstseinsebene

Erwachen setzt voraus, dass zuvor eine Art von Schlaf stattgefunden hat. Man spricht von einem Halbschlaf, in dem sich der Mensch im Alltagsbewusstsein befindet. Er ist meistens nicht wirklich anwesend, sondern der ständige Gedankenstrom ist entweder noch mit der Vergangenheit beschäftigt oder bereits mit Vorstellungen und Phantasien bezogen auf die Zukunft. Wie kann nun ein solches Erwachen ausgelöst werden?

Das Erwachen

Wie schon zuvor erklärt wurde, kann man sich nicht einfach entscheiden, ab sofort aus einem anderen Bewusstsein zu leben. Wir wurden in die Menschheit, die auf der rational-mentalen Bewusstseins Ebene existiert, hinein geboren und auch hinein erzogen. Es ist zwar möglich, dass man für eine kurze Zeit transpersonalen Erfahrungen macht, die man dem Neuen Bewusstsein durchaus zu ordnen kann, die jedoch rasch wieder vom Alltagsbewusstsein überdeckt werden. Auf diese Erfahrungen wird später noch ausführlich hingewiesen.

Buddha heißt "der Erwachte". Auch wenn man häufig im Buddhismus und den anderen östlichen Philosophien von Erleuchtung spricht, so ist doch im Grunde genommen damit ein Erwachen gemeint. Es ist ein Erwachen zu einer anderen Wirklichkeit. In dieser Wirklichkeit wird erkannt, dass Trennung, auf dem das dualistische Denken aufgebaut ist, eine Illusion ist. Es wird erfahren, was man schon immer gewesen ist, was aber vom Alltagsbewusstsein überdeckt wurde. Zitat aus dem Yoga-Philosophie-Atlas: „Der Mensch erwacht und erkennt, dass er ursprünglich vielmehr ist, als er zunächst und zumeist zu sein glaubte. Er erkennt dies nicht, indem er in die Welt hinausfährt, nicht in Büchern und nicht einmal in den großen Weisheitslehrern. Er erkennt dies im Erwachen zu den tiefen Ebenen seiner eigenen Existenz.“ (Ende des Zitats)

Erwachen findet von Augenblick zu Augenblick statt. Es geschieht meistens ganz plötzlich. Es ist so etwas, wie plötzlich aus einem Traum zu erwachen und den Zustand des Wachbewusstsein zu erfahren, wie wir es nennen. Die Wahrnehmung konzentriert sich ganz auf das, was ist. Das Denken, das mit dem Empfinden von Zeit gekoppelt ist, tritt ganz in den Hintergrund. Das Gefühl von enger Verbundenheit mit allem, das wörtlich zu nehmende Alleins-sein, ist der Ausdruck dieser anderen Wirklichkeit. Das getrennte Ich- Bewusstsein wird überschritten und ein Selbst erfahren, das sich als Teil eines größeren Ganzen erfährt.

Alleinsein in seiner ursprünglichen Bedeutung scheint mir mit dem Alleins-Sein verbunden zu sein, während Einsamkeit dieses Gefühl von Trennung ausdrückt. Das englische „alone“ scheint die gleiche Bedeutung zu haben. Dem steht „lonely“, einsam gegenüber.

Auslöser des Erwachens

Ein plötzliches Erwachen kann mehrere Auslöser haben. Da ist zunächst diese Sehnsucht nach der Einheit, aus der wir kommen, die wir vor dem Erwachen zum Ich-Bewusstsein erfahren. Diese Sehnsucht ist so etwas wie ein spiritueller Trieb, der genauso existiert wie andere Triebe im Menschen, wie zum Beispiel der Überlebenstrieb oder der Fortpflanzungtrieb. Wie aus dem Buch "Yoga-Philosophie-Atlas" bereits zitiert wurde, kann das Alltagsbewusstsein nur vorübergehend eine innere Zufriedenheit im Menschen erreichen. Sobald Schwierigkeiten oder sogar Krisen im Leben auftreten, wird diese Getrenntheit wieder erfahren, die dann auch wieder zu einer inneren Unzufriedenheit führt. Wirkliches Glücklichsein dauert immer nur wenige Augenblicke.

Generell könnte man zwei wesentliche Bereiche nennen, die dieses Erwachen auslösen können:

1.Die Sehnsucht nach Einheit

Obwohl der Mensch in der äußeren Welt alles, oder fast alles, erreicht haben kann und sehr häufig keine wirklichen Gründe hat, unzufrieden zu sein, bleibt da ein Gefühl, das eine permanente Zufriedenheit unmöglich macht. Dieses Gefühl kann nicht mit dem Verstand erklärt werden. Menschen mit diesen Gefühlen sehen sich sehr häufig als Suchende. Sie sehen sich auf einem spirituellen Weg. Wenn dann plötzlich klar wird, dass der Suchende selbst das Gesuchte ist, kann sich etwas grundsätzlich verändern. Die Identifikation mit etwas nehmen ab.

2. Lebenskrisen

Krankheiten, Probleme in Beziehungen, der Verlust des Arbeitsplatzes, Tod eines lieben Menschen und viele andere tief treffende Erfahrungen können ebenfalls zu einem Erwachen führen. Dann, wenn man glaubt, nicht mehr weiterleben zu können und vielleicht auch nicht zu wollen, kann etwas geschehen, in der diese andere Wirklichkeit erfahren wird.

Widerstände nach dem Erwachen

Bei vielen Menschen löst diese Erfahrung des Erwachens Widerstände aus. Da ist Angst

Es entwickeln sich Wert-Mechanismen, wie "Ich will so bleiben, wie ich bin", "Ich brauche keine Veränderungen", "Das, was ich kenne und mir vertraut ist, gibt mir Sicherheit und Stabilität.“

Mögliche Krisen nach dem Erwachen

Es kann eine Konfusion zwischen den verschiedenen Ebenen entstehen. Das Ego kann verstärkt werden, eine Ego-Inflation kann stattfinden. Man glaubt, etwas Besonderes, auserwählt zu sein. Auch sich über andere zu erheben, „abzuheben“,kann die Folge einer solchen Erfahrung sein. Oder man meint, nun die Rolle eines spirituellen Führers spielen zu müssen, der die anderen zu missionieren hat.

Der Prozess nach dem Erwachen

Das Leben nach dem Erwachen muss sich nach der Erfahrung nicht unbedingt gleich verändern. Diesen Menschen kann es so gehen wie bei einem Menschen, der einen Berg hinaufgestiegen ist und einen Gipfel erreicht hat. Er macht eine so genannte Gipfel-Erfahrung, die sehr eindringlich in ihm wirkt. Er kann aber auf diesem Gipfel nicht bleiben, sondern muss wieder zurück ins Tal. Diese Erfahrung kann aber eine so bleibende Wirkung haben, dass er seine Lebensweise verändert.